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Automatische Fußgängererkennung in Betrieb

Weihten die neue intelligente Fußgängerampel ein (v.l.): Heribert Lorenz (Fachbereich Verkehrstechnik), Florian Hartmann (OB), Kurt Ladehof (Abt.leiter Stadtgrün & -bauhof)

Wer es nicht weiß, wird es auch nicht unbedingt bemerken: Über der Fußgängerampel vor dem MVZ Dachau an der Münchner Straße wurden drei Wärmebildkameras angebracht.

Mit ihrer Hilfe und einer ausgetüftelten Computertechnik "weiß" die Ampel nun, wann jemand die Straße zu Fuß überqueren möchte, bevor der- oder diejenige auf den Druckknopf gedrückt hat. In diesem Moment erscheint auf der gegenüberliegenden Seite die leuchtend rote LED-Anzeige "Signal kommt" - und tatsächlich: Sekunden später zeigt die Ampel für die Autofahrer rot und die Fußgänger können die Straße überqueren. Perfekt für Corona-Zeiten, in denen der Kontakt durch Berührung im öffentlichen Raum möglichst unterbleiben soll.

"Dieses kontaktlose System wurde von uns zusammen mit starken Partnern entwickelt und ist einzigartig in Deutschland", erklärt der Leiter des Fachbereichs Verkehrstechnik der Stadt Dachau, Heribert Lorenz, stolz. Die Kameras scannen einen vorab definierten Bereich vor der Ampel, in diesem Fall etwa zwei Meter, und erkennen so, wenn jemand die Straße überqueren möchte. Die über der Straße angebrachte Kamera scannt den Querungsvorgang und erkennt, ob die Person sich schnell oder langsam, zum Beispiel mit einer Gehhilfe, bewegt. Dementsprechend werde auch die Grünphase bis maximal 22 Sekunden angepasst, so Lorenz. Ist die Person auf der anderen Seite angekommen, wird sie nicht nochmal neu erfasst.

"Daten werden hier keine gesammelt oder gar gespeichert", beruhigt Lorenz. "Die Kameras erfassen nur die Umrisse, man erkennt auch keine Gesichter", sagt er, und zeigt das Ergebnis der gescannten Aufnahmen auf einem mitgebrachten Laptop. Darauf ist zu sehen, wenn sich Menschen auf die Ampel zubewegen. Der Prototyp funktioniert gut und ist seit einer Woche im Einsatz. "Die Erfahrung zeigt, dass nach kurzer Zeit wirklich fast niemand mehr die Drücker benutzt", freut sich der Fachbereichsleiter, der das automatische Erkennungssystem mit seinem Abteilungsleiter, Kurt Ladehof, Oberbürgermeister Florian Hartmann und einem Vertreter des Entwicklungspartners Swarco Traffic Systems aus Haar bei München vorstellt. Für Busse und Autos bedeute die neue Technik keinen Nachteil, betont Hartmann. "Den öffentlichen Busse wird Vorfahrt gewährt durch einen Empfänger, den das Ampelsystem erkennt. Und während eines hohen Verkehrsaufkommens dauert die Grünphase für die Autos länger, das erkennt das Ampelsystem ebenfalls."

Die Probephase mit der automatischen Fußgängererkennung wird wohl mindestens zwei Monate dauern, meint Kurt Ladehof. Sofern es bis dahin keine Probleme gebe, könne man darüber nachdenken, es auf andere Stellen in der Stadt auszuweiten. Finanziell sei es keine große Belastung, Swarco habe für die Kooperation bisher kein Geld verlangt, die Kamerasysteme seien Standard, man brauche dazu keine Sonderbauteile, sagt Kurt Ladehof, Leiter der Abteilung Stadtgrün, Umwelt und Bauhof.

Andere Städte sind schon auf die Innovation aus Dachau aufmerksam geworden, so waren bereits Vertreter aus München und Freising vor Ort, um sich die Anlage vorführen zu lassen.

Text: A. Förster; Fotos: A. Förster

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