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Raus auf die Strasse, rein ins Vergnügen

Streetart ist im Trend. Vor allem im Sommer, wenn sich die Menschen draußen aufhalten, wird Kunst im öffentlichen Raum sichtbar. Deshalb sollten sich die Dachauer ins Vergnügen stürzen und sich - den ganzen August bis zum 13. September - bewusst mit der Jubiläumsausstellung "Raus" der Künstlervereinigung Dachau (KVD) auseinandersetzen. Für die Stadt und ihre Kunstszene ist sie jetzt schon ein Gewinn.

Auch wenn vielleicht nicht alle Kunstwerke gleichermaßen Gefallen finden werden, selbst wenn manches unentdeckt bleibt, und auch wenn mancher Passant in der Eile an den mehr oder weniger offensichtlichen Bildern, Plastiken, Skulpturen oder Marterln blicklos vorbeigehen wird: Die Ausstellung "Raus" ist zumindest eine tolle, ambitionierte Idee, für die es sich lohnt, den Ring um die Altstadt bis zum Schluss und über den Unteren Markt zurück zum S-Bahnhof abzulaufe oder zu radeln.

Die Werke sprechen für sich und sind ein Geschenk an eine Stadt, die mal eine bedeutende Künstlerkolonie war. Und die sich auch gerne heute noch gerne als Ort der Kultur und der Kunst präsentiert, gerade weil der einst gute Ruf von den Nazis zerstört wurde. Am Sonntag, 4. August war die Vernissage mit allen 32 teilnehmenden Künstlern aus Dachau, Umgebung, bis Murnau. Alle Künstler stellten anschließend bis zum Abend ihre Werke persönlich vor. Die Besucher kamen aus allen Ecken Bayerns angereist.

Für alle, die später kommen, befinden sich neben jedem Kunstwerk kleine Schildchen mit Erklärungen und ein in knall oranger Farbe aufgesprühtes "Raus" als Hinweis: Hier gibt's was zu sehen!

Mit "Raus" wird die Geschichte der Künstlerkolonie des ausgehenden 19. Jahrhundertes nicht nur aufgegriffen, sondern ins 21. Jahrhundert fortgeführt und urban interpretiert. Die Bürger gehen auf die Straße und, ob gewollt oder nicht, Schritt für Schritt auf die Kunst zu. Die Künstler ziehen sich nicht länger mit ihrer Staffelei ins Moos zurück, sondern bewegen sich mit ihrer Kunst auf die Menschen zu. Zum Beispiel mit mehreren Schauspiel-Performances im Bus 720. Zum Beispiel im Tiny Atelier an der Ludwig-Thoma-Straße, gegenüber der Eisdiele Venezia. Dort wird Anna Dietze in zwei umfunktionerten Telefonhäuschen ihre Kunst produzieren, man kann ihr dabei zusehen oder sich mit einbringen. Mit "Tiny Atelier" will sie vor allem auf die prekäre Situation für junge Künstler aufmerksam machen, die - selbst in einer Künstlerstadt wie Dachau - keine bezahlbare Wohnung, geschweige denn ein eigenes Atelier finden.

Ein Tipp: Das überdimensionale, farbenfrohe Wandbild "Inside Out" von Esther Zahel an der Stirnseite der Post. Zahel, die eben erst ihr Malereistudium an der Kunstakademie beendete, hat es innerhalb von vier Wochen mit atmungsaktiver Fassadenfarbe maßstabsgetreu aufgemalt. Mit einem surrealen Röntgenblick schaut der Betrachter dabei durch die Außenmauer hindurch in ein Haus mit vielen verschiedenen Zimmern. Allein das ist schon ein Gewinn für die Stadt, zumal das Bild über den 13. September hinaus erhalten bleibt. Was es bei "Raus" alles zu entdecken und zu erleben gibt (beispielsweise Konzerte oder Ausflüge auf einer schwimmenden Schale am Stadtweiher, Waldschwaigsee oder Obergrashofsee), gibt es im Flyer (KVD-Galerie, Tourist-Info und weitere Galerien und Museen) sowie unter https://kavaude.de/. 

(Text und Fotos: Andreas Förster)

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